01.12.2009
Die Europäische Zentralbank ermahnt die Versicherungsbranche
Nachdem infolge der Finanzkrise die Banken von der Zentralbank bereits massiv kritisiert worden sind und erste Konsequenzen gezogen wurden, gerät nun mehr und mehr die europäische Versicherungsbranche in den Fokus, die bisher in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wurde. Obwohl die Versicherungen die Krise bisher recht gut überstanden haben, gibt es aus Sicht der EZB erheblichen Verbesserungsbedarf.
Der Präsident der Europäischen Zentralbank Jean-Caude Trichet hat die Versicherungsbranche eindringlich ermahnt, nach den guten Geschäftszahlen im dritten Quartal 2009 nicht in Selbstzufriedenheit zu versinken, diese Zahlen seien weitgehend durch die Stabilisierung der Finanzmärkte zu erklären und die Gewinne aus den Kapitalanlagen würden in normalen Zeiten nicht mehr derartig hoch sein. Deshalb sei jetzt ein Umdenken notwendig, um die Abhängigkeit von der Börse und Finanzprodukten erheblich zu reduzieren. Die Versicherungen seien keineswegs gut aufgestellt und müssten sich mehr auf ihre Kernbereiche konzentrieren und sollten nicht weiter als Finanzdienstleister auftreten.
Ende Juni betrug das Anlagevermögen der Versicherungen über 6 Billionen Euro, zudem halten sie etwa 10% der Schuldverschreibungen der Banken. Diese schiere Größe sei in der Lage die Märkte zu bewegen und verdeutliche, dass viele Versicherer mittlerweile eher Banken sind, als ihren eigentlichen Aufgaben bezüglich des Schutzes privater und unternehmerischer Haftpflicht und Ersatzforderungen nachzukommen.
Aus diesem Grunde kündigte Trichet an, in Abstimmung mit der EU - Kommission einen europäischen Systemrisikoverbund zu gründen, der vor allem auch die Versicherer unter die Lupe nimmt, die mittlerweile eine sogenannte Systemrelevanz aufweisen. Damit wäre eine Aufsichtsbehörde für einzelne Versicherungen geschaffen, die bisher auf europäischer Ebene noch komplett fehlt und auf nationaler Ebene kaum handlungsfähig ist. Bis zum Frühjahr 2010 wird dazu eine Stellungnahme des EU - Parlaments erfolgen und ein umfangreicher Analysebericht erfolgen.


