09.06.2010
Regeln für Börsenbetreiber sollen Exzesse im Computerhandel verhindern
Am 06. Mai 2010 kam es an der New Yorker Börse zum bisher größten Kurssturz aller Zeiten. Die Ursache dieses Kurssturzes konnte auch Tage danach nicht vollständig geklärt werden. Experten sind sich jedoch einig, dass ein solcher Absturz einzelner Werte, der eine Kettenreaktion an den Börsen auslösen kann, künftig verhindert werden muss. Viele Aktienwerte werden heute elektronisch gehandelt. Dies hat den Vorteil, dass Käufe und Verkäufe so schnell abgewickelt werden können, worauf heute wohl kaum einer der Marktteilnehmer verzichten möchte. Allerdings hatte der Crash in New York gezeigt, dass Händler bei solchen Ereignissen erst einmal machtlos sind, wenn die elektronischen Systeme, die zum Teil selbstständig Orders ausführen, in einer Art „Computer-Squash“ zuschlagen.
Um solche Ausbrüche künftig zu verhindern, fordern Experten beispielsweise Schwellen im Handelssystem. Diese könnten den Handel eines Einzelwertes auf allen Märkten weltweit stoppen, sofern das Papier unter einem vorher benannten Wert sinkt. Diese kurze „Atempause“ gäbe den Händlern die Möglichkeit, wieder einen fairen Wert festzulegen, um den Handel nachfolgend wieder fair und ordentlich weiterführen zu können. Lediglich die New Yorker Börse kann heute bereits ein solches System nutzen, allerdings verfügen noch nicht alle Börsenbetreiber hierüber, weshalb zwar der Handel in New York in der Folge des Kurseinbruchs verlangsamt wurde, in der übrigen Welt jedoch mit gleicher Geschwindigkeit weiterging.
Für die Verhinderung der Exzesse kann es ebenfalls sinnvoll sein, den computergestützten Handel zu kennzeichnen. Bisher müssen sich die Teilnehmer nämlich nicht offenbaren und handeln oftmals in so genannten Dark Pools. Käufer und Verkäufer großer Wertpapierpakete können hier anonym bleiben, weil er außerhalb der regulären Börsen auf speziellen Handelsplattformen abgewickelt wird. Durch eine Veröffentlichung auch dieser Händler können Dark Pools künftig verhindert und Details zum jeweiligen Geschäft offengelegt werden.
Obwohl es bereits viele Vorschläge gibt, die Exzesse im Computerhandel einzudämmen, wird es wohl noch einige Zeit dauern, bis klare Regeln herrschen. Wichtig ist es dabei, dass alle Börsenbetreiber weltweit zusammenarbeiten, da der Aktienmarkt mittlerweile stark vernetzt ist und Regeln in einzelnen Ländern nicht mehr ausreichen werden.


