12.04.2010
Singapur will Hedge-Fonds-Managern paradiesisches Asyl bieten
Geld ist scheu wie ein Reh, heißt es - das gilt nicht nur für Investoren, sondern auch für die Hedge-Fonds-Manager, die seit einigen Jahren mit alternativen und riskanten Methoden versuchen, das Geld der Anleger exorbitant zu vermehren. Seit die Finanzkrise jedoch vielen dieser aussichtsreichen Hedge-Fonds kräftig das Geschäft verhagelt und zu schmerzhaften Verlusten geführt hat, worauf sich Heerscharen von Regulierern, Steuer- und Aufsichtsbehörden unter dem Vorwand des Anlegerschutzes anschicken, die mutmaßlichen Verursacher der Finanzkrise durch schärfere Regeln und höhere Steuern in den Griff zu bekommen, liest man regelmäßig von Abwanderungen der Hedge-Fonds-Manager aus den Hauptfinanzstandorten wie London, denn Regulierung bedeutet das Ende ihres Geschäftsmodells.
Nun gibt es auch anderswo grüne Wiesen zum Weiden, die weniger zurechtgestutzt und überwacht werden. Der Inselstaat Singapur – in tropischen Gefilden ein Grad oberhalb des Äquators – schafft schon seit den Neunziger Jahren mit niedrigen Steuern und einfachen Finanzregularien Anreize für die internationale Finanzindustrie, sich dort ein Standbein in Asien zu sichern, in klarer Konkurrenz zu Japan oder Hongkong. Seit kurzem werden gezielt Hedge-Fonds-Manager ermuntert, das noch locker besiedelte und strukturell kaum erschlossene grüne Gefilde Nepal Hill auf der Insel zu beschnuppern, das sich eine 15-minütige Taxifahrt vom Bankendistrikt entfernt in Nähe zum Hochtechnologie-Zentrum Biopolis und zur Technologie-Universität Nanyang befindet. Früher beherbergten die architektonischen Kleinode auf dem 180 Hektar-Areal britisches Militärpersonal und dessen Familien. Die hübschen Bungalows mit den weiß gestrichenen Wänden und schwarzen Holzstreben sind charaktervolle Relikte aus britischer Kolonialzeit. So etwas haben Individualisten, wie es die extremen Finanzjongleure oft sind, gern.
Alternative bevorzugen alternative Ausdrucksformen. Hedge Fonds begreifen sich nicht als traditionelle Asset Manager und wollen aus der spiegelglatten Kulisse der großen überregulierten Bankenwelt auch physisch ausscheren und verstecken sich eher in hübschen Nischenvierteln. So lassen sie sich statt in Manhattan im schönen Küstenort Greenwich nördlich von New York nieder, statt in der City Londons im exklusiven Viertel Mayfair. In Singapur bevorzugten die Hedge-Fonds-Manager bisher Chinatown, wo es jedoch in Anbetracht der schnell wachsenden Branche für die schon heute ca. 140 Firmen allmählich zu eng wird.
So dürfte es niemanden der Zielgruppe groß stören, dass Nepal Hill etwas „weit ab vom Schuss“ ist. (Man bleibt gerne im Verborgenen – immer eingedenk aller Möglichkeiten, dass bei hohen Spekulationsgewinnen schnell die Neider mit offenen Taschen und Steuersäckeln vorstellig werden können, aber bei extremen Verlusten eben auch aufgebrachte Anleger.)
Aber Nepal Hill lockt nicht nur mit weiträumigen Grünflächen. Im Gegensatz zu den marktüblich hohen Mieten sollen Interessenten hier mit attraktiven Einstiegspreisen und erheblichen steuerlichen Erleichterungen stimuliert werden. Je größer die Anlagesummen und Gewinne der Fonds, desto stärker wirkt sich ein steuerlicher Vorteil aus– und Hedge-Fonds bewegen aufgrund hoher Mindestanlagebeträge und zusätzlicher Kreditaufnahmen oft Millionen im dreistelligen Bereich oder gar Milliarden.
So könnte sich Nepal Hill bald zu einem noblen Wiederauffanglager für andernorts vertriebene (verscheuchte) Milliardäre entwickeln.


