20.05.2010
Was Hedgefonds sind und wovon sie leben
Mit dem Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise sehen sich Hedgefonds einer starken Kritik von Seiten der Politik und von Seiten des normalen Bürgers ausgesetzt. Die Kritik setzt vor allem an der fehlenden Regulierung und der ausgemachten Intransparenz der gesamten Hedgefonds-Branche an. Um beurteilen zu können, ob die Kritik berechtigt ist oder ob Hedgefonds einzig als Sündenböcke einer falschen Politik herhalten müssen, bedarf es zunächst eines genaueren Blickes auf die Funktionsweise von Hedgefonds.
Der erste Hedgefonds wurde bereits 1949 von Alfred Winslow Jones gegründet, als dieser Aktien einer in seinen Augen wenig aussichtsreichen Firma leer verkauft hat, um das Geld in die Aktie eine in seinen Augen aussichtsreiche Firma zu investieren. Damit war auch gleich die erste Anlagestrategie geboren – aber dazu später mehr. Wird die eigentliche Bedeutung des Wortes Hedgefonds herangezogen, wurden Positionen innerhalb dieses Hedgefonds abgesichert (to hedge = absichern), indem bspw. neben der Aktie A gleichzeitig eine Put-Option auf eben diese Aktie A ins Portfolio aufgenommen wurde. Verliert Aktie A nun an Wert steigt gleichzeitig die Put-Option, was unter dem Strich zu einem geringeren Verlust oder sogar zu einem Gewinn führen kann. Heute fahren die meisten Hedgefonds eine andere, weitaus riskantere Strategie.
Zum einen setzen viele Hedgefonds auf das Instrumentarium des Leerverkaufs. Hierbei wird bspw. die Aktie A verkauft, obwohl der Hedgefonds überhaupt nicht in dem Besitz der Selbigen ist, um sie zu einem späteren Zeitpunkt günstiger zurückkaufen zu können. Das Ganze funktioniert nicht nur mit Aktien, sondern im Grunde genommen mit jedem handelbaren Wertpapier wie Anleihen, Derivate und Ähnlichem. Leerverkäufe stellen im Grunde genommen ein Wette auf den Niedergang eines Unternehmens oder auch Staates dar. Denn wenn der Kurs des jeweiligen Papiers fällt, macht der Hedgefonds riesige Gewinne. Verstärkt wird das ganze noch durch den so genannten Leverage-Effekt, der durch die Nutzung von verhältnismäßig wenig Eigenkapital entsteht. Ein praktisches Beispiel soll den Leerverkauf mitsamt dem Leverage-Effekt näher bringen:
Angenommen der Hedgefonds H hat ein Volumen von 100.000 Euro und verkauft 1.000 Aktien der Firma A zu einem Kurs von 100 Euro leer (Wert der Transaktion: 100.000 Euro). Sinkt der Kurs nun auf 80 Euro und kauft H die Aktie nun, um die Position glatt zu stellen, kann H einen Gewinn on 20*1.000 = 20.000 Euro realisieren, was einer Rendite von 20 % entspricht. Nun will H aber nicht nur 100.000 Euro investieren, sondern 1.000.000 Euro. Dazu muss H 900.000 Euro an Fremdkapital aufnehmen. Bei den gleichen Grundvoraussetzungen steigt der Gewinn nun auf 200.000 Euro, was einer Rendite von 200 % aufs Eigenkapital entspricht.


