08.07.2010
Dubiose Machenschaften auf dem amerikanischen Zweitmarkt für Lebensversicherungen
Normalerweise werden Lebensversicherungen abgeschlossen, um nach einer vereinbarten Zeit und der Einzahlung von monatlichen Raten eine bestimmte Summe an Geld zu erhalten. Doch schon vor der Finanzkrise boomte in Amerika ein zweiter Markt mit Lebensversicherungen, der mittlerweile immer mehr in Verruf gerät. Dieser Zweitmarkt hinterlässt bei vielen einen faden Beigeschmack, denn auf ihm machen Investoren dunkle Geschäfte mit dem Tod. Besitzer von Lebensversicherungen können in Amerika diese Versicherungen an eben jene Investoren, meist Banken oder Hedge Fonds, verkaufen und so das angesparte Geld vorzeitig erhalten. Dabei erhalten die Verkäufer oftmals einen höheren Preis als bei der Rückgabe der Police an den Versicherer. Er bekommt eine bestimmte Summe vom Investor in einem Betrag ausgezahlt, während dieser nach dem Tod des Versicherten die volle Summe der Versicherung ausbezahlt bekommt.
Diese attraktive Art die Lebensversicherung zu verkaufen und so an Geld zu kommen hat in den letzten Jahren viele Amerikaner angelockt. Sie schlossen Lebensversicherungen teilweise sogar auf Basis von Verschuldung ab.
In den USA schlagen die Vorgänge auf dem Zweitmarkt für Lebensversicherungen nun mittlerweile hohe Wellen – Klagewellen. Denn die Aufkäufer der Lebensversicherungen treiben das dunkle Geschäft mittlerweile zu weit, wie im Fall eines Versicherungsmaklers aus Florida. Zur Berechnung der Versicherungssumme und der Provision für den Makler werden das Einkommen und das Vermögen des Versicherten benötigt. Und der betreffende Makler hat diese beiden Werte bei seinen zahlreichen Kunden, denen er Lebensversicherungen von Axa Equitable verkauft hat, künstlich aufgebläht. So hat er Provisionen in Millionenhöhe kassiert, was zu einer Klage des Unternehmens gegen diesen und weitere Makler sowie Treuhandfonds führte. Durch die Klage wurden einige der betreffenden Policen aufgelöst. Eine Einigung vor Gericht war danach nicht mehr nötig. Insgesamt gibt es aufgrund von zu hohen Einkommens- und Vermögensangaben im Moment bereits 200 Klagen in den USA. Die Konsequenzen werden nun bereits deutlich, da viele US-Bundesstaaten reagieren und schärfere Regulierungen einführen oder es planen. Mittlerweile wird vom Rat der US-Lebensversicherer darauf verwiesen, dass man Lebensversicherungen zum Weiterverkauf in den USA verbieten sollte.
Die Auswirkungen der Klage gegen den Makler sind auch in Deutschland angekommen. Die Deutsche Bank musste Verluste hinnehmen, weil eine kleine Investment-Einheit Rechte an Axa-Lebensversicherungen besaß, immerhin in der Höhe von 30 Millionen Dollar. Der Makler aus Florida hatte diese an Kunden vermittelt. Nun wurden diese Versicherungen aufgelöst. Die so entstandenen Verluste von 4,9 Millionen Dollar für diverse Gebühren, Aufwendungen und den Ankauf der Rechte fordert die Deutsche Bank vom betreffenden Makler zurück.


