06.10.2009
Versicherungswirtschaft: Rundum-Lösungen als Zukunftsmodell?
Das All-inclusive- beziehungsweise Rundum-sorglos-Konzept hat sich in vielen Produkt- und Geschäftsbereichen längst etabliert. Und auch in der Versicherungsbranche ist es auf dem Vormarsch. So sehen es zumindest die Branchenexperten, die beim Future Talk der Beratungsgesellschaft Steria Mummert Consulting über die Zukunft der Versicherungswirtschaft diskutierten.
Durchschnittlich sechs unterschiedliche Versicherungspolicen hat der deutsche Bundesbürger in seinem Versicherungsportfolio - zumeist von unterschiedlichen Anbietern. Doch dieser Status könnte sich bereits in einigen Jahren vollständig verändern - die Rundum-Versicherung für jeden Lebensabschnitt und aus einer Hand ist längst nicht mehr undenkbar. Die Zukunftsvision: Ein Versicherungsvertrag bei einem Anbieter, der alle zentralen Versicherungssparten abdeckt, sich stark an Lebensalter und -umständen orientiert und dem Versicherungsnehmer so einen Rundum-Schutz bietet. Die Versicherungsbranche rechnet fest mit einer langfristigen Etablierung dieses Modells. Ein erster Wandel ist auch bereits erkennbar, denn Einzelpolicen werden immer häufiger zu einem breiten Gesamtangebot zusammengefasst und Bündelprodukte schaffen den Markteintritt. Auch die Experten sind sich sicher: Spätestens 2011 werden Bündel- und Rundum-Lösungen auf dem deutschen Versicherungsmarkt zu finden sein.
Steria Mummert weiß um die Ziele viele Versicherer: Versicherungskunden soll zur richtigen Zeit der richtige und notwendige Versicherungsschutz zur Verfügung gestellt werden. Die Vorteile des Modells, welches auch unter der Bezeichnung One-Insurance-Produkt bekannt ist, liegen auf der Hand: Die Absicherung orientiert sich am jeweiligen Lebensabschnitt des Versicherungsnehmers und berücksichtigt im besten Fall die individuellen Lebensumstände, wodurch auf Kundenseite großes Einsparpotenzial offengelegt wird. Das gilt allerdings auch für die Versicherer - denn wenn mehrere Produkte und damit Millionen von Versicherungsverträgen in einzelne Komplettpakete umstrukturiert werden können, ist mit einer deutlichen Reduzierung des Verwaltungsaufwandes zu rechnen. Auf der anderen Seite ist die Umsetzung des One-Insurance-Modells allerdings alles andere als einfach: Denn starre Grenzen zwischen den unterschiedlichsten Produkten müssen überwunden, flexiblere und an den Bedürfnissen der Versicherungsnehmer orientierte Lösungen geschaffen werden.
Gerade in der Zielgruppe der über 50-Jährigen sind die Bündelprodukte schon heute keine Seltenheit mehr. Komplettangebote, die beispielsweise die private Pflegeversicherung, den Rechtsbeistand, eine weitere Rentenversicherung oder auch das Sterbegeld beinhalten, sollen den älteren Generationen einen an die individuellen Anforderungen angepassten Versicherungsschutz bieten. Doch auch für Berufsstarter oder junge Familien könnte dieses Konzept zukunftsträchtig sein - wobei diese Zielgruppen bisher nur wenig Berücksichtigung finden.
Es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis der äußerst komplexe und breite Markt der Versicherungsprodukte durch One-Insurance-Angebote deutlich ausgedünnt werden dürfte. Steria Mummert prognostiziert jedenfalls eine schnelle Etablierung: Die ersten echten Bündelprodukte könnten bereits innerhalb der kommenden Jahre den Markteintritt schaffen.
Quelle: LexisNexis Deutschland GmbH, vom 6.10.2009


