11.05.2010
Scheichs aus Katar kaufen britisches Kaufhaus Harrods
Nach nunmehr 25 Jahren als Eigentümer des wohl berühmtesten Kaufhauses der Welt, verkauft der ägyptische Unternehmer Mohammed Al-Fayed Harrods für die unglaubliche Summe von schätzungsweise 1,5 Mrd. GBP (umgerechnet 1,74 Mrd. Euro), um sich nach Angaben seiner Bank Lazard International im Alter von 77 Jahren zur Ruhe zu setzen und sich mehr um seine Kinder und Enkelkinder kümmern zu können. Noch im März hatte der Ägypter in der Zeitung „The Guardian“ aufs äußerste bestritten, dass Harrods überhaupt zum Verkauf stehe. Mit der Investmentfirma des Wüstenstaats Katar QH (Qatar Holding) – die mit rund 17 Prozent auch Großaktionär des deutschen Automobilkonzerns Volkswagen ist – kommt damit auch der neue Eigentümer aus einer Region fernab von Großbritannien. Da Qatar Holding bekannt dafür ist sich nicht in die operativen und strategischen Angelegenheiten seiner Kaufobjekte einzumischen, wird Harrods auch weiterhin seine Tradition wahren können, die bis in das Jahr 1834 zurückreicht. Damals wurde das Unternehmen von Charles Henry Harrod gegründet, aber erst 1849 an seinen jetzigen Standort in der Brompton Road im Stadtbezirk Royal Borough of Kensington and Chelsea verlegt. Mit QH findet Harrods bereits seinen fünften Eigentümer.
Mit dem Verkauf geht eine Ära zu Ende, die ihren Anfang 1985 nahm, als Mohammed Al-Fayed das Luxuskaufhaus zusammen mit seinen Brüdern für 615 Mio. GBP gekauft und für weitere 300 Mio. GBP von Grund auf umgestaltet hat. Besonders bekannt ist der Luxus-Tempel für seine Delikatessen-Abteilung im Erdgeschoss und seine imposante Außenbeleuchtung, die aus insgesamt mehr als 12.000 Glühbirnen besteht. Harrods wirbt seit jeher mit dem Motto „Omnia Omnibus Ubique“ (alles, für alle, überall) jeden noch so ausgefallenen Wunsch erfüllen zu können.
Traurige Berühmtheit erlangte Al-Fayed 1997, als sein Sohn Dodi zusammen mit Prinzessin Diana in Paris mit einem Wagen tödlich verunglückt ist. In Gedenken an die Beiden ließ Mohammed Al-Fayed zwei Schreine mit zwei Statuen aus Marmor, Kerzen, Fotos und einem Weinglas, das noch Spuren vom Lippenstift der Prinzessin trägt, errichten. Als direkte Folge seiner vehementen Behauptungen, sein Sohn Dodi und Prinzessin Diana seien das Opfer eines Mordkomplotts durch das britische Königshaus geworden, soll das Kaufhaus im Jahr 2001 seinen exklusiven Status als Hoflieferant des britischen Königshauses verloren haben.


