In der Krise die Lebensversicherung verkaufen?
In wirtschaftlich schwierigen Zeiten denken immer mehr Menschen darüber nach, ob sie ihre Lebensversicherung verkaufen können. Wer die Beiträge nicht mehr zahlen kann, ist mit einem Verkauf in der Regel besser gestellt als mit einer Kündigung. Die Beiträge in eine Kapitallebensversicherung werden in den ersten Beitragsjahren stärker als später zur Deckung der Kosten eingesetzt. Eine wirksame Kapitalbildung findet erst mit den späteren Beiträgen statt. Wer vor Ablauf einer bestimmten Frist seine Lebensversicherung kündigen muss, wird daher nur einen Teil seiner Einzahlungen zurückerhalten. Um schnell möglichst viel Geld aus der Police zur Verfügung zu haben, kann die Versicherung aber auch verkauft werden.
Lebensversicherungen sind stabile Wertanlagen
Die Stabilität einer Lebensversicherung dient nicht nur den direkten Kunden der Versicherer. Auch wenn eine Versicherung verkauft wurde, gilt sie als gute Kapitalanlage. Allerdings ist laut der Financial Times die aktuelle Niedrigzinspolitik der EZB eine Hürde für Versicherungsunternehmen. Die stabilsten Anlageprodukte, die von den Versicherern erworben werden können, bieten Zinssätze, die meist unter der Inflationsrate liegen. Um dennoch einen akzeptablen Kapitalzuwachs bieten zu können, müssen die Unternehmen also besonders gut wirtschaften. Alte Versicherungspolicen, denen noch ein größerer Wertzuwachs garantiert wurde, könnten auf dem Zweitmarkt durch diese angespannte Lage durchaus attraktiver werden. Die Zinsgarantien, die in der Vergangenheit gegeben wurden, sind laut der BaFin-Präsidentin Elke König durch umsichtige Reaktionen auf die Krise gestärkt worden. Auch die Pläne der Bundesregierung gingen in die richtige Richtung.
Wie kommen die Lebensversicherungen durch die Krise?
Die Neuanlagen des Kapitals für die Lebensversicherungen stellt jedoch ein großes Problem für die Versicherer dar. Im Durchschnitt wurden für die aktuell laufenden Verträge 3,3 % Zinsen garantiert. Wenn aber die sichersten Wertanlagen weit unter diesem Wert angeboten werden, ist es nicht einfach, diese Zinsen zu erreichen. Mit einer großen Rückstellung von 1,5 Milliarden Euro konnten jedoch die Zinsgarantien deutlich abgesichert werden. Diese stillen Reserven sollen den Kunden zur Verfügung stehen, bis die Krise durchgestanden ist. Die Zeiten sind demnach zwar nicht die besten für den Abschluss einer neuen Lebensversicherung, doch Kauf und Verkauf bereits abgeschlossener Policen können durchaus lukrativ sein. Die Zinsgarantien, die in der Police festgehalten sind, dürften in Zeiten absoluter Niedrigzinsen die Käufer sehr interessieren. Wer seine Lebensversicherung verkaufen muss, kann daher aktuell mit durchaus akzeptablen Preisen rechnen.
Bevor die Lebensversicherung verkauft wird
Erster Schritt beim Verkauf der Lebensversicherung sollte stets die Überprüfung des Rückkaufwertes sein. Der Kaufpreis auf dem Zweitmarkt sollte auf jeden Fall mehr betragen, als die Versicherung bei einer Kündigung zahlen würde. Zusätzlich bleiben die Kunden im Todesfalle weiterhin versichert. Die Versicherungssumme, die dann ausgezahlt wird, geht nicht an den Käufer, sondern an denjenigen, der ursprünglich der Versicherung abgeschlossen hat. Lediglich der Kaufpreis und die nach dem Kauf fälligen Beiträge müssen von der Versicherungssumme abgezogen und dem Käufer übermittelt werden. Je nachdem, wie alt die Police ist, kann es dennoch sinnvoll sein, auf einen Verkauf zu verzichten. Aus diesem Grund hat zum Beispiel das Bundessozialgericht bisher stets geurteilt, dass ein solch unwirtschaftlicher Ausverkauf nicht verlangt werden darf. So müssen etwa Hartz-IV-Empfänger auch im Bedarfsfall nicht ihre Lebensversicherung verkaufen.
